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1420 -1434 - Hussitenkriege

Das freie Geleit zum Kaiser in Konstanz nahm der böhmische Rektor der Prager Universität, Prediger und Reformator Jan Hus im Jahre 1411 noch über Eger. Nach seiner Hinrichtung als Ketzer fielen seine Anhänger auf ihren Rachefeldzügen in jährlichen Abständen vorzugsweise über Waidhaus in den Westen ein. Sie brachten erstmals Not und Verderben im großen Stil. Waidhaus allein brannten sie insgesamt dreimal ab. In den Pfarrmatrikel von 1433 wird der Ort als "verwüstet" bezeichnet. Erst 1436 konnten die Übergriffe als erledigt betrachtet werden.

Jan Hus wurde 1369 in Husinec (Böhmen) geboren, und besuchte zunächst die Lateinschule in Prachatice. Nach einem kirchlichen Studium wurde er ins Priesteramt berufen. 1396 wurde Hus zum Magister Artium an der Karls-Universität in Prag ernannt. Er fing an, sich gegen kirchliche Mißstände zu wenden, und begeisterte als Tscheche eben auch Tschechen, da er in der Muttersprache predigte. In dieser Zeit hatten sich in der Kirche einige Konflikte zugespitzt. Papst Clemens residierte in Avignon und Papst Bonifaz in Rom. Der Ablaßhandel blühte und verkam zur reinen Geld-Maschinerie für die Päpste und die Kirche. Hus übte nun massive Kritik gegen den Klerus, und wurde denen ein gewaltiger Dorn im Auge. Die Karls-Universität und das "Ketzerland Böhmen" wurden boykottiert und isoliert. Hus wurde 1412 exkommuniziert. 1413 wurde er als "Ketzer" bezeichnet.

Im Herbst 1414 ritt Jan Hus nach Konstanz zum einberufenen Konzil. Dort angekommen wurde er sofort verhaftet und in den Kerker geworfen. Eigentlich hatte er einen königlichen Geleitbrief erhalten, zur Unverletztlichkeit seiner Person. Ihm wurde der Prozeß gemacht, der brutal und unfair gehalten wurde. Hus wurde am 6. Juli 1415 auf dem Scheiterhaufen hingerichtet.

Jan Hus wurde am 06.07.1415 in Konstanz auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Kupferstich in "Historisch Bildersaals", Teil4, Nürnberg 1733.
Jan Žižka von Trocnov (1360-1424), einer der militärischen Führer der Hussiten. Ölgemälde von Adolf Liebscher, Hussitenmuseum Tábor.
Die "Große Schlacht bei Hiltersried 1433", Kupferstich, Original im Louvre zu Paris.

Daraufhin entbrannte der Hass der mittlerweile sehr großen Anhängerschaft von Jan Hus, darunter auch viele böhmische Adlige. Am 30. Juli 1419 kam es zum gewaltsamen Ausbruch der hussitischen Revolution in Prag. Nach einer fanatischen Predigt bildete sich eine bewaffnete Prozession und zog zum Prager Rathaus. Dort wurde 12 Räte kurzerhand aus dem Fenster zu Tode gestürzt.

Jan Žižka, der Militärstratege der Hussiten, bildete eine schlagkräftige Volksarmee, mit Einsatz von Feuerwaffen und gepanzerten Wagen. 1420 kam es dann zu den ersten überfallartigen Angriffen der Hussiten auf bayerisches Gebiet. Der "Waidhauser Pass" wurde zu diesen Raubzügen mehrmals genutzt, und dabei auch Waidhaus als erster Ort geplündert und gebrandschatzt. 1426 wurde der Pfrentschweiher von den Hussiten angestochen und abgelassen, um die Fische zu plündern. Die Übergriffe wurden immer dreister. Es wurden von einem zusammengestellten "Kreuzheer" Gegenangriffe abgehalten. Viele blutige Schlachten folgten, mal gewannen die Hussiten, mal die Kreuzzügler. 1433 folgte die Kehrtwende, als Pfalzgraf Johann zu Neunburg mit seinen Gefolgeleuten eine vernichtende Schlacht bei Hiltersried gegen die Hussiten abhielt. Bei dieser Schlacht fielen etwa 1400 Hussiten.

1434 kam es dann schlußendlich zum kollektiven Brudermord in Böhmen. In der Schlacht zwischen Utraquisten und Radikalen innerhalb der Hussiten bei Lipany fielen 13000 Taboriten.

 

(Quelle: "Hussen, Hymnen, Helden, Mythen, auf den Spuren der Hussiten" Franz Grundler und Dominik Dorfner, Buch & Kunstverlag Oberpfalz, Amberg, 2005)

Beitrag von Andreas Ringholz, 2010.

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